Hintergrund

Flucht

Schau dir das folgende Video der UNHCR an, um einen ersten Eindruck von der Situation zu erlangen.


Fluchtursachen - Warum Menschen fliehen

Menschen die ihr Zuhause verlassen müssen, um einen neuen, sicheren Ort zu finden, gibt es schon seit Jahrtausenden. Flucht, ist also kein Phänomen, das erst seit der Flüchtlingskrise 2015 existiert. Die Hauptgründe für die Flucht aus der eigenen Heimat sind weltweit sehr ähnlich: Gefahr aufgrund von Krieg, Unterdrückung, Gewalt oder Hungersnöten. Auch Diskriminierungen, Armut oder Umweltkatastrophen sind ein bedeutender Faktor für die Flucht vieler Menschen.  

Die meisten Flüchtenden begeben sich aber nicht gleich auf eine Flucht über den ganzen Kontinent oder in ein anderes Land. 48 Millionen der weltweiten Geflüchteten sind Binnenflüchtlinge. Das heißt sie sind nur in eine andere Region ihres Heimatlandes geflohen. 

Aber in welchen Ländern fliehen denn überhaupt die meisten Menschen weltweit und warum?


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Kriege und Gewalt

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kommen über 70 Prozent der in Deutschland asylsuchenden Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten. Während weltweit die Zahl der länderübergreifenden Konflikte abnimmt steigt die Zahl der Binnenkonflikte an. Dazu zählen beispielsweise Konflikte zwischen bewaffneten Gruppen im Land, aber auch Terroranschläge oder Drogenkriege.

In vielen Fällen richtet sich die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung was Menschenrechtsverletzungen, Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, Verschleppungen oder auch die Zwangsrekrutierung von jungen Männern und Kindern zum Militärdienst zur Folge hat.

Auch die Lebensgrundlagen der Menschen werden oftmals durch Krieg und Gewalt zerstört. Felder können so nicht mehr bestellt werden, Lebensmittel werden in der Folge knapp, Preise steigen und Arbeitsplätze werden zerstört.

In vielen Fällen wird die grundlegende Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Diese umfasst unter anderem Straßen, Brücken, die Versorgung mit Wasser und Strom aber auch Schulen und Krankenhäuser.

©uno-fluechtlingshilfe.de


Menschenrechtsverletzungen

Wenn Menschen wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer politischen Gesinnung, ihrer Religion oder ihrer Sexualität verfolgt, diskriminiert oder bedroht werden spricht man von Menschenrechtsverletzungen. So droht beispielsweise in 10 Ländern der Welt Homo- und Transsexuellen Menschen die Todesstrafe, in anderen Ländern müssen sie mit langen Haftstrafen rechnen.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ist das Recht auf Asyl unter Artikel 14.1. festgeschrieben:

„Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“

Wie groß letztendlich der Anteil der Geflüchteten, welche aufgrund von Menschenrechtsverletzungen fliehen an der Gesamtzahl der Geflüchteten ist lässt sich nur schwer einschätzen, da sich Fluchtgründe oftmals überlappen, gegenseitig verstärken und nicht klar voneinander abgrenzen lassen.

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Die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung

In vielen Ländern der Welt sind Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierung, Verfolgung und Kriminalisierung ausgesetzt. Stand 2020 wird  für einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen  Erwachsenen in 6 Staaten sogar die Todesstrafe angewandt, in 5 weiteren ist sie zumindest möglich. Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association gibt jährlich einen Überblick über die Situation in den verschiedenen Ländern heraus.

Karte des ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association): „Gesetze zur sexuellen Orientierung in der Welt“

Wie schwierig sich die Situation für die LGBTI+ Community auch in Ländern gestaltet, in denen Homosexualität nicht per se strafbar ist zeigt sich anhand  der Situation in der russischen Teilrepublik Tschetschenien.


Seit 2017 kommt es in der Kaukasusrepublik vermehrt zu Verfolgungen, Folterungen und außergerichtlichen Hinrichtungen homosexueller, welche von den staatlichen Autoritäten geduldet und teilweise selbst ausgeführt wird.

Republikpräsident Ramzan Kadyrov möchte davon nichts wissen und leugnet sogar die Existenz Homosexueller in der Tschetschenischen Republik:

Allerdings hört die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Sexualität nicht auf sobald sie, in diesem Fall, die Grenzen Tschetscheniens hinter sich lassen, wie die folgenden zwei Beispiele verdeutlichen:

Movsar Eskarkhanov, ein homosexueller Tschetschene wurde 2017 in einer Asylunterkunft in Eisenhüttenstadt von drei Tschetschenen attackiert, welche versuchten ihn aus der Unterkunft zu entführen. Lediglich durch das Eingreifen einer Gruppe weiterer Geflüchteter konnte dies verhindert werden. ©time.com

Tumso Abdurakhmanov, ein tschetschenischer Menschenrechts-Blogger, welcher die Republik 2015 verlassen hatte, nachdem er mehrere Todesdrohungen erhalten hatte, wurde im Februar 2020 in der schwedischen Stadt Gävle angegriffen und verletzt. Zwei Männer waren in sein Haus eingedrungen und attackierten ihn während er schlief. Abdurakhmanov schaffte es die Angreifer abzuwehren und überlebte den Überfall. ©occrp


Hunger

Um zu überleben sind viele Menschen, welche unter Hunger leiden zur Flucht gezwungen. Offiziell anerkannt als völkerrechtliche Konvention ist Hunger als Fluchtursache jedoch nicht. Jedoch tritt Hunger oft als Folge von Armut, herbeigeführt durch gewaltsame Konflikte oder klimatische Veränderungen auf.

Auch Auseinandersetzungen um den Zugang zu Land und Wasser können Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit zur Folge haben. Dadurch sind Menschen gezwungen in andere Regionen abzuwandern um ihr Überleben zu sichern.

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Klima und Umwelt

Für viele Menschen sind die Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderungen bereits derart spürbar, dass sie deswegen ihre Heimat verlassen. So zum Beispiel nach verheerenden Naturkatastrophen, welche durch den Klimawandel hervorgerufen wurden. Dazu gehören unter anderem Überschwemmungen, Erdrutsche, Taifune, Hurrikans oder anhaltende Dürren.

Zur Hilfe für Geflüchtete zählen so auch Umweltaspekte wie die Wiederaufforstung, die Einführung von Solar-Öfen, die Förderung nachhaltiger Wasser- und Landwirtschaft und auch Aufklärungsarbeit welche für Umweltbewusstsein sensibilisiert.

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Der Weltrisikoindex misst die Gefährdung gegenüber Naturkatastrophen weltweit.


Fluchtrouten- Wie kommen Menschen nach Europa?

Wenn Menschen aber in ihrem gesamten Land keine Zukunft mehr sehen und ihr Leben in Gefahr ist, begeben sie sich häufig auf die sehr gefährliche Flucht. Dabei überqueren sie oftmals viele Landesgrenzen, um nach Europa zu gelangen und dort Asyl zu erhalten. Aber wie kommen die Menschen eigentlich auf das Europäische Festland?

Europa aufs Ohr

In der Folge "No more Morias?!" unseres Europa-Podcasts erfährst du mehr über die Probleme der aktuellen Migrationspolitik:

Informationen zur aktuellen Lage und Entwicklungen in Afghanistan findest du auf unserer Website unter "Aktuelles".